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Andreas Vasilache

Interkulturelles Verstehen nach Gadamer und Foucault

Andreas Vasilache:
Interkulturelles Verstehen nach Gadamer und Foucault.
Frankfurt/M. – New York: Campus, 2003.
152 Seiten
ISBN 3-593-37345-9
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Campus Verlag:
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Mit seiner Studie unternimmt Andreas Vasilache den verdienstvollen Versuch, die bislang weitgehend getrennten Rezeptionsgeschichten von Hermeneutik und Poststrukturalismus bezüglich des Problems der Interkulturalität zusammen zu führen. Gerade weil dieses Problem von beiden behandelten Denkern, Gadamer wie Foucault, nur am Rande behandelt wird, erweist es sich als geeigneter Bezugspunkt für einen produktiven Vergleich, der nicht in vorwiegend exegetischer Absicht unternommen wird, »sondern als Überlegung zu einem Verstehenskonzept zwischen Hermeneutik und poststrukturalistischer Diskurstheorie« (18).

Der Autor deutet daher anhand von Überlegungen zu Konzepten von Kultur und Fremdheit zunächst einen eigenen Analyserahmen an, in welchen anschließend die zueinander in Bezug gesetzten Positionen Gadamers und Foucaults integriert und kritisch diskutiert werden. Das geschieht in vier Schritten, die ausgehend vom Problem des Vorverständnisses über die Frage nach dem Ziel des Verstehens und dem Konzept von Wahrheit bis zur Diskussion von Vollzugsformen eines fragenden Verstehens den Verlauf diskursiver Verständigung nachzeichnen. Angesichts der dabei zu Tage tretenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten – letztere gründen vor allem in der geteilten anti-positivistischen Ausrichtung Gadamers und Foucaults – hält der Autor mit guten Gründen eine Verbindung ihrer beider Ansätze für »sowohl möglich als auch sinnvoll« (52).

Die jeweils herausgearbeiteten Schwächen – in Stichworten: das Festhalten am Vorrang der Tradition bei Gadamer, die Depotenzierung der kritischen Reflexion bei Foucault – sollen mit den jeweiligen Stärken – Bewusstmachung der Standortgebundenheit des Interpreten bei Gadamer, machtanalytische Sensibilität bei Foucault – kompensiert und zu einem grenzbewussten und konstruktiven Konzept interkulturellen Verstehens synthetisiert werden. Bei diesem Unterfangen allerdings erweist sich die kritische exegetische Arbeit des Autors gegenüber der Entwicklung eines eigenen Ansatzes als stärker: Im Umgang mit Konzepten wie Wahrheit und Sinn fehlt der Studie philosophischer Feinschliff, den gute Absicht und politisch korrekte Rhetorik nicht zu ersetzen vermögen. Gleichwohl bleibt unter dem Strich ein fruchtbarer Anstoß, das Problem der Interkulturalität im Anschluss an Gadamer und Foucault weiter zu verfolgen.

Stephan Schmidt

polylog. Forum für interkulturelle Philosophie 4 (2003).
Online: http://www.polylog.org/lit/4/svass-de.htm
ISSN 1616-2943
Autor: Stephan Schmidt, Berlin (Deutschland)
© 2003 Autor & polylog e.V.
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