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Dieter Senghaas
Zivilisierung wider Willen. Der Konflikt der Kulturen mit sich selbst

Frankfurt/M. 1998



español  


Frankfurt/M.: Suhrkamp,
1998.
187 Seiten
ISBN 3-518-12081-6



Suhrkamp Verlag:
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  Es geht Dieter Senghaas in diesem Buch um das Verhältnis traditioneller Denkweisen zu Gegenwart und Zukunft. In drei Kapiteln untersucht er Spannungen, Konstrukte und Möglichkeiten, die sich daraus ergeben: Pluralität und Politisierung – Herausforderungen für Kulturen, weiter Zusammenprall der Kulturen? und Kommunikation über Kulturen.
  Das erste Kapitel wird mit einem Abschnitt über Interkulturelle Philosophie in der Welt von heute eröffnet, dem sich vier Fallstudien anschließen: über die Relevanz der klassischen chinesischen Philosophie für das moderne China, über reformatorische Möglichkeiten des Islam, über Gesellschaftsvorstellungen des Buddhismus und über den Hinduismus zwischen »spiritueller« und »moderner Pluralität«.
  Das zweite Kapitel setzt sich kritisch mit der These von einem "Kampf der Kulturen" auseinander. Die wirklichen Konflikte sind nach Senghaas »durch sozio-ökonomische Probleme vorgezeichnet«; es sind »Verteilungskonflikte«, nicht etwa Konflikte »um Art oder Intensität und schon gar nicht um den jeweiligen Inhalt von Gläubigkeit« (144f). Die Debatte um sogenannte "asiatische Werte" bildet hier die entsprechende Fallstudie, wobei die These ist: Es gibt sie nicht. Was damit benannt wird, sind Wertvorstellungen traditionaler Gesellschaften im allgemeinen.
  Das Abschlusskapitel bringt ein Plädoyer für eine Reorientierung des interkulturellen Dialogs, wobei der Dialog zwischen Christen und Muslimen bzw. westlicher Moderne und Islam als Anlass dient. Diese Dialoge sieht Senghaas als defizient an: Sie gehen von stereotypen Fremd- und Selbstbildern aus und sie werden nicht über die tatsächlichen Probleme geführt.
  Philosophen und Philosophinnen, die sich in ihrem Philosophieren der Herausforderung der Interkulturalität stellen wollen, werden gut daran tun, über Senghaas These nachzudenken, »daß alle Kulturen mehr als je in der Vergangenheit wirklich mit sich selbst in Konflikt geraten und darüber selbstreflexiv werden. Erst auf solcher Grundlage wird ein zeitgemäßes fruchtbares interkulturelles Gespräch beginnen können: allerdings weniger von Kultur zu Kultur, sondern zwischen kulturellen Segmenten quer durch die Welt.« (48) Es wird um Sachfragen gehen müssen.

Franz Martin Wimmer, Wien



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