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François Jullien
Umweg und Zugang. Strategien des Sinns in China und Griechenland

Wien 2000


español  


Wien: Passagen,
2000.
408 Seiten
ISBN 3-85165-407-2


Passagen Verlag:
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Original:
Le détour et l'accès: Stratégies du sens en Chine, en Grèce.
Paris: Grasset, 1995.
462 páginas
ISBN 2-246-50371-X

  Dieses Werk eröffnet auf dem Umweg über Beobachtungen aus der Ästhetik in nur selten erreichter Anschaulichkeit und Klarheit einen Zugang zu den Grundlagen chinesischen Denkens. So geht der Pariser Sinologe François Jullien in seiner philosophiegeschichtlichen und literaturtheoretischen Abhandlung der Frage nach unterschiedlichen "Strategien des Sinns" als unseres geistigen Bezugs zur Realität nach. In komparativer Absicht werden strategische Theorien, politische Umgangsformen, rhetorische Figuren wie Analogie, Metapher, Symbol und Allegorie, die Mimesis-Theorie sowie mystische und sprachkritische Einstellungen einer eingehenden Erörterung zwischen China und Griechenland unterzogen.
  Nach der zentralen These hat sich in China die Verdoppelung der Wirklichkeit in eine sinnlich zugängliche Welt und eine transzendente intelligible Wesensebene nicht etabliert. Während der europäische Logos in seinen verschiedenen Erscheinungsformen stets als Annäherung an einen mehr oder weniger transzendenten und abstrakten Sinngehalt fungiert, sucht die chinesische Rede – wie Jullien in überzeugenden Einzelstudien aufzeigt – eine »allusive Distanz« zu den Einzeldingen, um die Immanenz einer einzigen Weltwirklichkeit zu evozieren. In dieser fundierten Darstellung der Indirektheit in der chinesischen Kultur wird für uns die Direktheit des abendländischen Logos und damit die Grundlage unseres Philosophiebegriffs in großer Deutlichkeit sichtbar.

Mathias Obert, München



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