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Alexander Moseley & Richard Norman (eds.)

Human Rights and Military Intervention

Alexander Moseley &
Richard Norman (eds.):
Human Rights and Military Intervention.
Burlington: Ashgate, 2002.
296 Seiten
ISBN 0-7546-0867-0
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»John Stuart Mill famously asks whether it would be better to be a dissatisfied Socrates than a satisfied fool, but arguably it is better to secure the ideas of Socrates for posterity than to let them perish and save the fool.«

Alexander Moseley / Heather Eisenhut
(276)

Die Beiträge des Sammelbands Human Rights and Military Intervention sind in sechs sehr unterschiedlichen Teilen organisiert und präsentieren eine recht heterogene Diskussion zum Thema. Gideon Calder wendet sich im ersten Beitrag gegen Richard Rortys Ansicht, dass Menschenrechte keiner theoretischen Fundierung bedürften, wobei er in seiner Argumentation auf die unerwünschten Effekte der Rortyschen Sichtweise verweist und anschließend die menschliche Natur als tragende Grundlage identifiziert. Die Notwendigkeit der Begründung sieht auch O'Reardon, der, aus einem theologischen Kontext kommend, jedoch vor allem John Rawls und dessen Konzept des Ausschlusses des Unvernünftigen kritisiert und bei Charles Taylor Lobenswertes findet. Anhand von Tabellen und Zahlen versucht Maria Michela Marzano in ihrem Beitrag die moralische Verwerflichkeit der Beschneidung von Frauen zu untermauern. Diversität kann für sie nur aus einer endlichen Anzahl von akzeptablen Werten schöpfen und stößt an der menschlichen Würde an ihre Grenzen.

Im nächsten Beitrag geht es Nigel Dower nicht mehr um eine theoretische Fundierung der Menschenrechte, sondern um die ethischen Aspekte einer humanitären Intervention. Gandhis Satz »The means are the ends in the making« begleitet ihn dabei bis zum Schluss, wo er schließlich einen Verzicht auf Gewalt bevorzugt. Der nächste Autor, Paul Robinson, positioniert sich in diesselbe Richtung, wenn er gleich zu Beginn die Unberechenbarkeit der Logik des Krieges herausstreicht. Interessant dabei ist, dass Robinson die humanitäre Intervention zwar als Ausnahme in Betracht zieht, sich aber vehement gegen ein (institutionalisiertes) Recht auf eine ebensolche wendet. Er beschreibt des Weiteren, dass die relativ neue Attraktivität der humanitären Intervention im Wesentlichen von der großen militärischen Übermacht der westlichen Staaten herrührt, aufgrund derer diese nicht befürchten müssen, selbst Ziel ihrer Anwendung zu werden.

Im nächsten Teil des Buches wird von zwei Autoren, Stephen R.L. Clark und Mark Evans dem bekannten Einwand gegen humanitäre Interventionen, dass sie nicht gerecht und unparteiisch seien, sondern letztlich auf »realistische« politische Motivationen zurückgingen, widersprochen. Chris Brown zeigt anschließend, dass der »neue« Interventionismus auf traditionelle »westfälische« Traditionen zurückgeht, und meint, dass die Problematik im Grunde überbewertet wird. Dass Interesse jener, die eine gerechte Weltordnung anstreben, sollte sich nicht von den tiefer gehenden Hindernissen wie der globalen Ungleichheit ablenken lassen.

Für die Weiterentwicklung des internationalen Rechts spricht sich Brendan Howe aus, wobei er in seiner Argumentation vor allem versucht, seine Theorie anhand der Schwächen der Position von Michael Walzer zu entwickeln. Auch Jamie Munn lehnt sich an Walzers Theorie an, wenn er die Zweischneidigkeit des Begriffs der Selbstbestimmung hervorhebt und zeigt, dass dieser sowohl für als auch gegen eine Intervention verwendet werden kann. Die Frage der Konstitution von politischen Gemeinschaften wird von Paul Gilbert aufgenommen und im Wesentlichen zu einer Kritik an der kosmopolitischen Position genutzt. Ian Brassington versucht in seinem Text theoretisch zu beweisen, dass wir immer vom Schicksal anderer, zumindest seit der Entwicklung des »globalen Dorfes«, betroffen sind. Philip Ross möchte sich diskursiv einer liberalen Weltordnung widersetzen und versucht sich in der Entwicklung einer »republikanischen« Konzeption.

Im letzten Beitrag stellen sich Alexander Moseley und Heather Eisenhut gemeinsam die Frage, wofür es Wert ist zu sterben, und kommen zum Schluss, dass Interventionen nicht nur aus humanitären Gründen stattfinden sollten, sondern auch um kulturelle Errungenschaften zu schützen. Zugespitzt formulieren sie: »John Stuart Mill famously asks whether it would be better to be a dissatisfied Socrates than a satisfied fool, but arguably it is better to secure the ideas of Socrates for posterity than to let them perish and save the fool.« (276)

Dem Buch gelingt es, viele interessante Beiträge und Ansätze zu versammeln, wobei die Autoren und Autorinnen großteils humanitäre Interventionen als gerechtfertigt ansehen, wenn auch aus sehr verschiedenen Gründen. Eine eindeutige Aussage oder eine anwendbare Empfehlung lässt sich dem Band allerdings nicht entnehmen.

Georg Maißer

polylog. Forum für interkulturelle Philosophie 5 (2004).
Online: http://lit.polylog.org/5/smnmg-de.htm
ISSN 1616-2943
Autor: Georg Maißer, Wien (Österreich)
© 2004 Autor & polylog e.V.
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