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Ireneusz Kania

Ścieżka nocy

Ireneusz Kania:
Ścieżka nocy.
Kraków: Znak, 2001.
348 Seiten
ISBN 83-240-0029-1
book cover
Społeczny Instytut Wydawniczy Znak:
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Für Ireneusz Kania motiviert die Einsicht, dass den Kulturen »verschiedene vorphilosophische Intuitionen« zugrunde liegen, nicht einen Verzicht, sondern gerade den Versuch, deren Bedeutungen und Werte auf eigene Faust zu entdecken.

Die Bedeutsamkeit des Buches Ścieżka nocy (Pfad der Nacht) besteht darin, dass Ireneusz Kania – ein anerkannter Übersetzer aus über zehn Sprachen (u.a. aus dem Rumänischen, dem Hebräischen, dem Sanskrit, dem Chinesischen) – sich zwischen den verschiedenen Sprachen und Kulturen bewegt und die ungeheuren Schwierigkeiten dieses »Zwischen« an den Tag zu bringen vermag. Da Kania sich zugleich mit Ideengeschichte und Kulturwissenschaft beschäftigt, kann er sich in den in diesem Band enthaltenen Essays dem Problem des Verstehens fremder Kulturen mit vollem geisteswissenschaftlichen Selbstbewusstsein widmen.

Die Reflexion über die eigene Faszination an fremden Kulturen, über die eigenen Erfahrungen als Übersetzer, Interpret und Forscher verbindet sich hier mit der Frage nach dem Sinn der vieljährigen beruflichen Tätigkeit. Es geht dabei um die Frage nach den Chancen des interkulturellen Dialogs und nach dem Sinn seiner eigenen Teilnahme an ihm. Der These, dass dieser Dialog unmöglich sei, stimmt Kania keineswegs zu: Er verweist dennoch darauf, dass die Bedingung seiner Möglichkeit in der Konzentration auf die fundamentalen, universalen Probleme liege.

Für Ireneusz Kania wurden dabei das Leid und das Böse zu einem der wichtigsten Probleme. Es war nichts anderes als die Unzufriedenheit mit der christlichen Theodizee, die die Aufmerksamkeit Kanias auf den Buddhismus gelenkt hat. Deswegen kommt er auch in seinen Arbeiten an manchen Stellen auf alte und neue Missdeutungen der Lehre Buddhas zurück, insbesondere auf die der christlichen Theologen und Philosophen. Gegenüber den verschiedenen Entwürfen einer »Synthese« der großen Religionen bleibt Kania radikal skeptisch. Das aus diesem Skeptizismus entspringende Programm der bloßen Korrektur der Fehler bzw. Missverständnisse könnte als Minimalismus gedeutet werden. Kania vertritt dennoch die Meinung, dass, wenngleich der interkulturelle Dialog nie ganz möglich sei, die Auseinandersetzung mit den Missverständnissen diesen Dialog doch intensivieren könne.

Auf die Frage, warum er nicht zum praktizierenden Buddhist wurde, antwortet Kania, dass er wohl allzu tief in der Welt des Abendlandes verwurzelt sei. Ostentative religiöse Konversionen und Ostreisen kann er deshalb nicht ernst nehmen. Der Herausgeber und Übersetzer altbuddhistischer Texte ins Polnische gibt zu, dass er sich, je länger er diese Texte studiert, desto mehr der Schwierigkeit ihres Verstehens bewusst wird. Die Tür in die Welt, in der die von ihm so klar gespürte Größe mit solcher Anziehungskraft wirkt, scheint nur ein wenig geöffnet zu sein.

Kania analysiert Arbeiten von E. Hartmann, R. Wagner, E.M. Cioran und eine Reihe zeitgenössischer Autoren. Wenn er sich auf die Schlüsselthemen unseres Kulturkreises bezieht (Hiob, Neues Testament und Kabala, Engel und Teufel, Liebe), kontrastiert er diese immer mit anderen Gedankenwelten. Er bekämpft unter anderem auch deswegen das allzu konstruktive, helle Bild des »europäischen Kanons« und erinnert an den zugleich – mindestens seit Parmenides – in der europäischen Kultur auch präsenten »Pfad der Nacht«. Diese Korrektur verdankt sich, wie es scheint, vor allem der Begegnung mit anderen Kulturwelten.

Dass Kania die Philosophie eben auf diese Weise versteht, verbietet ihm einen Anspruch auf volle »Durchsichtigkeit« der anderen Kultur zu erheben. Für diesen Denker, Forscher und Übersetzer motiviert die Einsicht, dass den Kulturen »verschiedene vorphilosophische Intuitionen« zugrunde liegen, nicht einen Verzicht, sondern gerade den Versuch, deren Bedeutungen und Werte auf eigene Faust zu entdecken.

Krzysztof Łukasiewicz

polylog. Forum für interkulturelle Philosophie 5 (2004).
Online: http://lit.polylog.org/5/skilk-de.htm
ISSN 1616-2943
Quelle: external linkpolylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren 12 (2004), 144-145.
Autor: Krzysztof Łukasiewicz, Wrocław (Polen)
© 2004 Autor & polylog e.V.
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