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Caleb Carr

Terrorismus – die sinnlose Gewalt

Historische Wurzeln und Möglichkeiten der Bekämpfung

Caleb Carr:
Terrorismus – die sinnlose Gewalt. Historische Wurzeln und Möglichkeiten der Bekämpfung.
München: Heyne, 2002.
246 Seiten
ISBN 3-453-21326-2
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Heyne Verlag:
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In leicht verständlicher Weise versucht dieses Buch, dem Leser historisch-militärisches Wissen mit Blick auf den aktuellen Terror näher zu bringen. Für Carr ist Terror politisch motivierte Gewalt gegen Zivilisten, und mit dieser einfachen Definition kommt er ohne Probleme vom alten Rom bis ins dritte Jahrtausend. Er zeigt dabei an seinen wohl ausgewählten Beispielen, dass Gewalt gegen Zivilisten immer zu noch mehr Gewalt führt und dass Terror letztendlich nie zur Verwirklichung des politischen Ziels beiträgt. Carrs Unterscheidung zwischen reaktionärer und progressiver Kriegsführung bezieht sich darauf, ob mit den militärischen Aktionen Zivilisten oder Soldaten getroffen bzw. ob Leichen produziert oder Ziele erreicht werden sollen.

Die im Wesentlichen moralisierende Darstellung, die schon einmal von der »Bestrafung« Japans mit der Atombombe spricht, entpuppt sich schon früh als eigenartiges Machwerk, das es zwar durchaus schafft, mit irreführenden Annahmen logische Schlüsse zu ziehen, allerdings ohne sich die Mühe zu machen, die eigenen Ideen kritisch zu beleuchten oder Konsequenzen zu denken. Damit dass Carr Kolateralschäden an Zivilisten ausdrücklich aus seiner Terror-Definition ausnimmt, beraubt er seine These auch ihrer oberflächlichen Stichhaltigkeit: Schließlich haben ja die Terroristen des 11. September keine Wohnhäuser angegriffen, sondern durchaus im engeren und weiteren Sinne militärische Ziele. Die Nato hat in Serbien auch Elektrizitätswerke, Rundfunktürme und Brücken zerstört. Die Zahl der zivilen Opfer der Angriffe auf Afghanistan oder der Irak-Kriege übertrifft ohnehin bei weitem die Opferzahl des 11. Septembers.

Der Schluss aus der Terror-Konfusion, in die reguläre Armeen wie kleinste Splittergrüppchen geworfen werden, ist, dass Terror am besten durch präventive Militärschläge gegen Terroristen und die Staaten, die sie unterstützen, bekämpft wird. Richtig absurd wird es, wenn Carr von irgendwelchen Drohnen, also unbemannten Flugobjekten, zu schwärmen beginnt, die gezielt Terroristen aus der Menge picken könnten.

Trotz allem gibt es auch wirklich interessante Stellen in diesem Buch, vor allem dort, wo auf die Kontraproduktivität von massiven und großflächigen Luftangriffen hingewiesen wird, und auch das Kapitel über die CIA, in der Carr sich richtiggehend in Rage redet. Es finden sich viele gute Ansätze, und zweifellos hat der Autor ein großes Wissen auf militärischem Gebiet, aber fast alles, was über das Historische hinausgeht, wird unstimmig bis zur Schmerzgrenze.

Georg Maißer

polylog. Forum für interkulturelle Philosophie 5 (2004).
Online: http://lit.polylog.org/5/sccmg-de.htm
ISSN 1616-2943
Autor: Georg Maißer, Wien (Österreich)
© 2004 Autor & polylog e.V.
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